Der 15. März 44 v. Chr. war ein Wendepunkt der Weltgeschichte. An diesem Tag wurde mit Gaius Julius Caesar nicht nur der mächtigste Mann der damaligen Welt ermordet, sondern auch das Ende der römischen Republik eingeläutet.
Die Iden des März sind sprichwörtlich geworden. Redet man heute von diesem symbolhaften Datum, warnt man vor bevorstehendem Unheil oder einem besonders schicksalhaften Tag. Dies geht zurück auf das Jahr 44 v. Chr., als der römische Feldherr und Staatsmann Gaius Julius Caesar an eben jenem Datum einem Attentat zum Opfer fiel. Caesar war damals am Höhepunkt seiner Macht. Aus einer alten aristokratischen Familie stammend, die ihren Ursprung bis auf die Göttin Venus zurückführte, absolvierte Caesar, der am 13. Juli 100 v. Chr. in Rom geboren worden war, die übliche Ämterlaufbahn und bekleidete 59 v. Chr. mit dem Konsulat das höchste Staatsamt. Zu dieser Zeit schloss er ein Bündnis mit den beiden mächtigsten Männern Roms, Gnaeus Pompeius und Marcus Licinius Crassus, das sog. erste Triumvirat. Nach Ablauf seines Konsulats wurde er zum Statthalter der Provinzen Illyrien und Gallia Cisalpina ernannt, dann erhielt er auch noch die Provinz Gallia Transalpina hinzu. Von dort aus gelang es ihm in den folgenden Jahren, (fast) das gesamte freie Gallien zu unterwerfen und bis nach Britannien vorzudringen. Diesen Krieg hatte er bewusst forciert, einerseits um militärischen Ruhm zu erlangen, der jenem seines Konkurrenten Pompeius gleichkam, andererseits um seine finanziellen Probleme zu lösen. Dass der Krieg unter den Galliern wohl eine Million Todesopfer forderte und ebenso viele Menschen in Gefangenschaft brachte, nahm er ohne Gewissensbisse in Kauf. Als Caesar nach dem Ablauf seiner Statthalterschaft nach Italien zurückkehrte, überschritt er mit seinen Truppen den Grenzfluss Rubikon und begann einen Bürgerkrieg, aus dem er schließlich als Sieger hervorging. Im Jahr 46 v. Chr. schlug er bei Thapsos in Nordafrika das letzte Senatsheer, ein Jahr später konnte er in Spanien die Söhne seines Erzfeindes Pompeius, der bereits 48 v. Chr. in Ägypten ermordet worden war, besiegen. Caesar hatte nun die alleinige Macht im römischen Staate inne. Er war Oberbefehlshaber der Legionen, verfügte über den riesigen Staatsschatz und hatte ein große Anzahl von Klienten an sich gebunden. Vom Senat wurde er mit Ehren überhäuft und zum Diktator auf Lebenszeit ernannt. Zudem kokettierte er mit dem allgemein verhassten Königstitel. Am Lupercalienfest des Jahres 44 v. Chr, einen Monat vor seinem Tod, bot ihm Marcus Antonius, der amtierende Konsul, das königliche Diadem an. Caesar lehnte allerdings ostentativ ab, als er bemerkte, dass das Publikum eisig schwieg. Doch auch ohne Königstitel ließ er keinen Zweifel daran, dass er der unumschränkte Alleinherrscher war, und er verhielt sich wie ein Monarch. Dazu zählte etwa, dass er als erster Römer sein eigenes Porträt auf Münzen prägen ließ. Mit seinem Verhalten brüskierte immer wieder die Angehörigen der Senatsaristokratie, denen er alle Möglichkeiten genommen hatte, sich um Staat und Volk verdient zu machen und Ruhm und Ehre erringen. Daher verwundert es nicht, dass sich trotz der demonstrativen Milde, die Caesar gegenüber seinen Gegnern zeigte, der sog. clementia Caesaris, etwa 60 Senatoren aus allen politischen Lagern gegen den verhassten Diktator verschworen. Federführend waren Gaius Cassius Longinus, und Marcus Iunius Brutus, dessen Vorfahr ungefähr 450 Jahre früher am Sturz des letzten römischen Königs beteiligt gewesen war. Beide hatten an der Seite von Pompeius gekämpft, waren von Caesar jedoch begnadigt worden Brutus wurde sogar zu einem engen Vertrauten von Caesar und von diesem zum Statthalter Galliens ernannt. Das Ziel der Verschwörer war es nicht, sich an die Macht zu putschen, sondern sie wollten der Republik ihre Freiheit zurückgeben. Freilich ging ihr Plan gründlich schief: Das Attentat läutete vielmehr deren Untergang ein und bereitete dem Kaiserreich seinen Weg. In der letzten Senatssitzung vor der geplanten Abreise Caesars zu einem Feldzug gegen die Parther, am 15. März 44 v. Chr., setzten die Umstürzler ihren Plan um. Caesar wollte eigentlich gar nicht daran teilnehmen, da er sich nicht wohlfühlte. Zudem hatte seine Frau in der Nacht zuvor einen blutigen Albtraum gehabt, der den Tod ihres Ehemannes voraussagte. Doch dann ließ sich Caesar vom zum ihm geschickten Decimus Brutus überreden und mit seiner Sänfte zur Sitzung tragen. Auf dem Weg zum Pompeiustheater, wo der Senat damals tagte, weil das eigentliche Senatsgebäude gerade renoviert wurde, steckte ihm noch jemand eine Warnung zu. Caesar nahm das Schriftstück zwar an sich, las es jedoch nicht. Auch dass ihn der Seher Spurinna schon einen Monat zuvor gewarnt hatte, dass sein Leben in Gefahr sei, kümmerte Caesar nicht. Vielmehr hatte er sogar seine Leibwache aufgelöst, was den Verschwörern in die Hände spielte. Als Caesar das Gebäude betrat, verwickelte jemand Marcus Antonius in ein Gespräch, denn vor den Kräften des Konsul fürchteten sich die Rebellen. Nachdem die Sitzung begonnen hatte, näherte sich der Senator Tillius Cimber dem Diktator, warf sich vor diesem zu Boden und bat um Gnade für seinen verbannten Bruder. Plötzlich riss Cimber Caesar die Toga von der Schulter. Auf dieses Zeichen hin stürzen sich die Verschwörer mit gezückten Dolchen auf das Staatsoberhaupt. Den ersten Stoß versetzt ihm der Senator Casca, es folgten 22 weitere. Die nicht eingeweihten Mitglieder des Senats waren völlig überrascht, viele von ihnen flohen aus dem Sitzungssaal. Niemand kam Caesar zu Hilfe. Mit letzter Kraft verhüllte dieser sein Gesicht und starb – ausgerechnet zu Füßen einer Statue des Pompeius. Dass er im Sterben noch zu Brutus gesagt habe: „Auch du, mein Sohn Brutus!“, ist wohl nicht historisch. Von diesen auf Griechisch gesprochenen letzten Worten berichtet erst 150 Jahre später der Geschichtsschreiber Sueton. Berühmt gemacht hat sie schließlich William Shakespeare in seinem Stück „Julius Caesar“. Für die Zeit nach dem Attentat hatten die Verschwörer freilich keinen Plan. Wie Cicero schrieb, agierten sie mit dem Mut von Männern und dem Verstand von Kindern (Briefe an Atticus 14, 21, 3). Zwar wurden die Attentäter gleich nach dem Mord amnestiert, doch schnell wandte sich die öffentliche Meinung gegen die Caesarmörder. Und als sich Caesars Erben, dessen Adoptivsohn Octavian, der spätere Kaiser Augustus, und Marcus Antonius, verbündeten, war das Schicksal der Verteidiger der Republik besiegelt. In der Schlacht von Philippi 42 v. Chr. fiel Cassius, und Brutus ließ sich nach dem verlorenen Gefecht von einem Freund töten. Aus dem anschließenden Bürgerkrieg ging schließlich Octavian als Sieger hervor, der als Augustus das römische Kaiserreich begründete.

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