Die Geschichte des Alten Ägypten ist voller Intrigen, doch nur wenige Fälle sind so faszinierend wie die Verschwörung gegen Ramses III., dessen Schicksal den Historikern bis heute Rätsel aufgibt. Wurde der Pharao Opfer eines Palastkomplottes?
Historischer Hintergrund
Ramses III., der von 1188 bis 1156 v. Chr. über Ägypten regierte, war der letzte bedeutende Pharao des Neuen Reiches. Zu Beginn seiner Herrschaftszeit gelang es ihm, den Angriff der sog. Seevölker auf das Nilland abzuwehren. Ägypten verlor unter seiner Regierung zwar an Macht und außenpolitischem Einfluss, überstand aber die Katastrophen, in welchen andere zeitgleiche Hochkulturen wie jene der Mykener oder der Hethiter untergingen. Er zeichnete sich auch durch eine umfangreiche Bautätigkeit aus, besonders berühmt ist sein Totentempel, den er in Medinet Habu errichten ließ. Unter Ramses III. litt Ägypten allerdings auch unter wirtschaftlichen Problemen. Als die Getreidelieferungen für Bauarbeiter des Pharaos wiederholt ausblieben, legten die hungrigen Handwerker ihre Arbeit nieder und organisierten einen Marsch nach Medinet Habu – der erste dokumentierte Streik der Weltgeschichte.
Die Verschwörung
Im Jahr 1156 v. Chr. kam es zu einer Verschwörung gegen den Pharao, über die wir dank eines außergewöhnlichen Papyrusdokuments Bescheid wissen, das sich heute im Museum von Turin befindet. Der Text berichtet von einem Gerichtsverfahren, bei dessen Ende der Pharao offenbar schon nicht mehr lebte. Seinen Ausgang nahm das Komplott bei Teje, einer Nebenfrau des Herrschers. Offenbar wollte diese mit allen Mitteln ihren Sohn auf den Thron bringen. Wie dieser Sohn hieß, wissen wir nicht: Im Papyrus wird er als Pentawer bezeichnet, doch dies bedeutet so viel wie „der, der einen anderen Namen trägt“. Sein wahrer Name verfiel also einer damnatio memoriae. Ihr Ziel wollten die Verschwörer nicht nur mit schwarzer Magie, sondern auch durch die Beseitigung des Herrschers und des designierten Thronfolgers, des späteren Pharaos Ramses IV., erreichen. Eingeweiht waren in die Verschwörung zahlreiche Mitglieder des Königshofs, darunter auch der Schatzmeister und der Oberhofmeister, Priester, Schreiber und militärische Befehlshaber. Es war geplant, den Herrscher und seinen Sohn während eines Festes zu ermorden. Gleichzeitig sollte die Bevölkerung zum Aufstand angestachelt werden und Truppen aus Nubien sollten den Umsturzversuch militärisch unterstützen. Doch bevor der Putsch erfolgreich durchgeführt werden konnte, flog das Vorhaben auf, und die Verantwortlichen wurden vor ein Sondergericht gestellt. Die Rädelsführer verloren ihr Leben, andere, starben, wie es in dem Papyrus heißt, „aus eigenem Entschluss“ – darunter Pentawer, der sich erhängte. Manche der Angeklagten, die nur am Rande in das Komplott verwickelt waren, wurden als Strafe grausam verstümmelt: Man schnitt ihnen Ohren und Nase ab!
Wie starb Ramses III.?
Lange Zeit war unklar, was mit dem Pharao tatsächlich geschah, da dieser kurz nach der Verschwörung nicht mehr am Leben war. Konnte er dem Anschlag entrinnen und starb kurz darauf eines natürlichen Todes? Oder fiel er einem Attentat zum Opfer? Aufschluss geben nun CT-Scans an der Mumie des Herrschers, die im Jahr 2012 durchgeführt wurden. Diese brachten eine tiefe Schnittwunde am Hals des Pharaos zum Vorschein. Diese verdeutlicht, dass jemand mit einem scharfen Dolch oder Messer die Kehle von Ramses III. durchtrennte, woraufhin dieser innerhalb von Minuten starb. Dass ein großer Zeh des Pharaohs mit Gewalt abgetrennt worden war, ist ein weiteres Indiz für ein Gewaltverbrechen. Damit ist klar, dass Ramses III. ermordet wurde.
Quelle:
Juristischer Papyrus Turin

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