Tod am Hochzeitsfest

Tod am Hochzeitsfest

Im Jahr 336 v. Chr. fiel Philipp II. von Makedonien, der mächtigste Herrscher im damaligen Griechenland, einem Attentat zum Opfer. Sein Tod veränderte den Lauf der Geschichte, denn sein Sohn und Erbe Alexander der Große schuf in den darauffolgenden Jahren ein Weltreich.

Wer war Philipp II.?

Als der makedonische König Perdikkas III. 359 v Chr. im Kampf gegen die Illyrer fiel, übernahm dessen damals 23 Jahre alter Bruder Philipp die Regentschaft. Zunächst schaltete er andere Thronanwärter der Reihe nach aus. Dann bezwang er die Illyrer und sicherte die Westgrenze des Reichs. 357 v. Chr. nahm er das von Athen gegründete Amphipolis ein, anschließend brachte er  die Gold- und Silberminen im und um das Pangeiongebirge unter seine Kontrolle. Auf diese Weise finanziell gut bestallt, betrat er nun das politische Parkett auch auf überregionaler Ebene.

Seine Erfolge sicherte Philipp durch Eheschließungen ab. Er heiratete eine Verwandte des besiegten Illyrerfürsten und auch eine Tochter des Molosserkönigs, die ihm 356 v. Chr. den Sohn und Thronerben Alexander gebar. Im Laufe seines Lebens sollte Philipp noch fünf weitere Ehen eingehen. Diese Polygamie, bei den Argeaden auch zuvor schon üblich, war ein Kernelement seiner Bündnispolitik. Darüber hinaus hatte der König zahlreiche Affären – mit Frauen und Männern.

Grundlage des Siegeszuges, den Philipp II. in den folgenden Jahren antrat, war seine Heeresreform. Er verwandelte die traditionelle Bürgerarmee Makedoniens in ein gut trainiertes Berufsheer, das mit innovativen Kampftechniken, einer neuartigen Bewaffnung und dem Einsatz von Belagerungsmaschinen Sieg um Sieg errang. Ein Erfolgsfaktor war zudem der König selbst. Obwohl er fährige Generäle hatte, führte er das Heer meist selbst in die Schlacht und nahm dabei auch Verwundungen in Kauf: Er verlor im Kampf ein Auge und trug eine gebrochene Schulter, einen verkrüppelten Arm und ein verkürztes Bein davon. Die Loyalität der makedonischen Aristokraten sicherte er sich, indem er ihnen hohe Militärposten gab und sie in seine Nähe holte. Zudem erhielten die Angehörigen des Adels großzügige Geschenke in Form von Geld oder Land. Obendrein konnte der König mit dem einfachen Volk gut umgehen, nahm ihre Belange ernst, jagte und trank auch mit den einfachen Soldaten.

Als geschickter Stratege und Diplomat baute er sein Reich zur führenden Macht im Balkanraum auf. Zuerst brachte er Nord- und Mittelgriechenland unter seine Kontrolle, ehe er 338 v. Chr. schließlich die Herrschaft über ganz Hellas errang. Doch schon hatte er das nächste Unternehmen im Auge: einen Feldzug gegen das Großreich der Perser. 337 v. Chr. schlossen alle Poleis Griechenlands – mit Ausnahme Spartas – in Korinth ein Bündnis, und bestimmten Philipp zu dessen Feldherrn auf Lebenszeit. Im Jahr darauf schickte er eine Vorhut von 10.000 Makedonen unter dem Kommando des Parmenion und des Attalos über den Hellespont, um den Feldzug vorzubereiten. Philipp sollte jedoch keine Gelegenheit mehr haben, das Unternehmen zu leiten.

Das Attentat auf Philipp

Vor dem geplanten Aufbruch nach Persien verheirate Philipp II. seine Tochter Kleopatra mit Alexandros, dem König der Molosser. Ort der Feierlichkeiten war die alte makedonische Residenzstadt Aigai, und wie es sich ziemte, waren im dortigen Theater allerlei Spiele geplant. Doch als Philipp feierlich einzog, stürzte sich sein eigener Leibwächter Pausanias auf ihn und stach ihn mit einem Dolch nieder. Pausanias versuchte daraufhin zu fliehen, doch Angehörige der Garde holten den Attentäter ein und töteten ihn. Für Philipp kam jedoch jede Hilfe zu spät. Noch an Ort und Stelle wurde Alexander III. als neuer Regent der Makedonen ausgerufen.

Schon in der Antike spekulierte man über das Motiv des Pausanias. War es Rache, weil ihn ein anderes Mitglied des Königshofs gedemütigt hatte und er sich von Philipp nicht unterstützt fühlte? Oder war eine Beziehungstat und Pausanias gehörte zu Philipps Liebhabern? Auch Alexander und seine Mutter Olympias wurden verdächtigt, ihre Finger im Spiel gehabt zu haben. Denn eine im Vorjahr geschlossene Ehe des Königs mit einer Tochter seines Generals Attalos – ebenfalls Kleopatra genannt – hatte nach der Geburt eines Sohnes beider Macht bedroht. Es wurde auch spekuliert, dass der Prinz und Thronfolger Alexander in den Mord verwickelt gewesen sein könnte, da sein Vater ihn zeitweise zurückgesetzt hatte und er sich seines Erbes keineswegs sicher sein konnte. Alexander selbst beschuldigte Dareios III. als Auftraggeber des Mordes. Hat der persische Großkönig den makedonischen Monarchen aus dem Weg räumen lassen, bevor dieser seinen Feldzug gegen die Perser beginnen konnte? Wer tatsächlich bei diesem Mord die Fäden zog, wird sich wohl nie klären lassen.

Wie einst sein Vater beseitigte Alexander jedenfalls schnell alle Konkurrenten. Kleopatra wurde zum Selbstmord gezwungen, ihr wenige Monate altes Baby ermordet. Auch Amyntas IV., an dessen Stelle Philipp einst den Thron bestiegen hatte, und andere Mitglieder der Königsdynastie sowie einflussreiche Adelige und Offiziere, darunter auch Attalos, ließ Alexander beseitigen. 334 v. Chr. brach Alexander dann zu seinem Feldzug gegen das Reich der Perser auf, mit dem er die antike Welt für immer verändern sollte.

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