Im Jahr 211 n. Chr. erschütterte ein grausames Verbrechen das Römische Reich: Kaiser Caracalla ließ seinen verhassten Bruder und Mitregenten ermorden. Besonders tragisch: Kaiser Geta starb in den den Armen seiner eigenen Mutter.
Als Kaiser Septimius Severus, der das Imperium Romanum seit 193 n. Chr. regiert hatte, am 4. Februar 211 in York verstarb, traten seine beiden Söhne Caracalla und Geta die Nachfolge an und wurden gemeinsam zu Herrschern über das Römische Reich. Beide waren schon vorher Mitregenten ihres Vaters gewesen: Caracalla, der eigentlich Marcus Aurelius Severus Antoninus hieß (sein Spitzname leitet sich von einem gallischen Kleidungsstück ab), trug seit dem Jahr 198 den Augustus-Titel, sein knapp ein Jahr jüngerer Bruder Publius Septimius Geta seit 209.
Verfeindete Brüder
Obwohl der verstorbene Septimius Severus seine Nachfolger kurz vor seinem Tod noch einmal ermahnt haben soll, Eintracht zu bewahren, endete deren Herrschaft schon bald in einer blutigen Tragödie. Caracalla und Geta waren nämlich schon seit frühester Jugend erbitterte Rivalen, was sich später zu tödlichem Hass steigerte. Als sie von England, wo sie gemeinsam mit ihrem Vater auf einem Feldzug gewesen waren, nach Rom zurückkehrten, wurde sogar der Kaiserpalast in zwei Hälften mit getrennten Eingängen geteilt. Fortan konkurrierten die beiden Kaiser in allen Bereichen miteinander: Sie buhlten um die Gunst von Senatoren, bekämpften sich bei Postenbesetzungen und unterstützen sogar im Zirkus unterschiedlichen Fraktionen. Ständig lebten sie – wohl zu Recht –in Angst, dass der jeweils andere ihnen nach dem Leben trachtete. Schließlich stand angeblich sogar der Plan einer Teilung des Römischen Reiches im Raum, wobei Geta den Osten und Caracalla den Westen erhalten sollte. Dieses Vorhaben soll aber am Einspruch von Julia Domna, der Witwe des Septimius Severus und Mutter der beiden verfeindeten Kaiser, gescheitert sein.
Ein Hinterhalt im Palast
Caracalla stellt seinem Bruder schließlich eine tödliche Falle: Auf sein Betreiben lud Julia Domna am 26. Dezember 211 ihre beiden Söhne zu einem Versöhnungsgespräch ein, zu dem sie unbewaffnet erscheinen sollten. Caracalla hatte jedoch einigen Soldaten angeordnet, sich dort zu verstecken, und als der nichtsahnende Geta eintraf, griffen sie ihn an. Geta konnte sich noch ins Gemach von Julia Domna flüchten und sucht Schutz auf dem Schoß seiner Mutter. Dort wurde er aber von den Soldaten erstochen, wobei auch die ehemalige Kaiserin am Arm verletzt wurde. Sterbend soll er noch gesagt haben: „Mutter, die du mich unter dem Herzen getragen hast, Mutter, die du mich geboren hast, hilf mir, ich werde ermordet.“, ehe er in den blutverschmierten Armen von Julia Domna verstarb. Offenbar war auch Caracalla an diesem Mord aktiv beteiligt, denn das Schwert, das er dabei verwendet hatte, weihte er später in einem Heiligtum. Vor der Öffentlichkeit behauptete er freilich, dass er selbst nur knapp einem Anschlag entgangen sei und seinen Bruder in Notwehr habe töten müssen. Um
Die Erinnerung an Geta wird ausgelöscht
Nach dem Mord richtete Caracalla ein Blutbad unter den Anhängern seines Bruders an. Senatoren, Statthalter, Offiziere, Diener, Vertraute und persönliche Freunde des ermordeten Kaisers wurden teilweise auf offener Straße von Caracallas Schergen getötet. Insgesamt sollen etwa 20.000 Menschen ihr Leben verloren haben. Das Verhältnis des Herrschers mit dem Senat war nach diesem Gemetzel für alle Zeiten zerrüttet. Um zumindest die Armee nach dieser Tat auf seine Seite zu ziehen, versprach er den Soldaten hohe Geldgeschenke und eine Erhöhung ihres Soldes. Öffentliche Proteste gegen die Mordwelle ließ der Herrscher mit Gewalt unterdrücken. Er verbot jede Trauer um seinen Bruder – selbst Julia Domna musste den Verlust ihres Kindes ungerührt hinnehmen. Denn wer Getas Tod beklagte, musste selbst um sein Leben fürchten.
Anschließend ging Caracalla daran, jedes Andenken an Geta auszulöschen. Althistoriker sprechen in einem solchen Fall von einer damnatio memoriae. Statuen von Geta wurden zerstört, aus Inschriften wurde sein Name getilgt, selbst Münzen mit seinem Bildnis wurden eingeschmolzen. Ein besonders schönes Beispiel für diese damnatio memoriae befindet sich heute in der Berliner Antikensammlung. Es handel sich um eine runde Holztafel mit einem Durchmesser von etwa 30 Zentimetern. Das um das Jahr 200 darauf gemalte Bild zeigt Kaiser Septimius Severus mit seiner Frau Julia Domna und den beiden noch minderjährigen Söhnen Caracalla und Geta. Ursprünglich hing dieses Bild wohl in einer römischen Amtsstube. Bemerkenswert ist, dass das Gesicht von Geta offensichtlich unmittelbar nach seiner Ermordung zerstört worden ist.
Quellen:
Cassius Dio, Römische Geschichte 78, 2
Herodian, Römische Geschichte 4, 4

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