Eine hinterhältige Intrige

Aurelian kann zu den großen und erfolgreichen Herrschern des Römischen Reiches gerechnet werden. Er schaffte es, dem Imperium Romanum neue Stärke und Einheit zu verleihen. Doch bereits nach kurzer Regierungszeit fiel er dem perfiden Plan seines eigenen Sekretärs zum Opfer.

Als Kaiser Claudius II., der an der Nordgrenze des römischen Imperiums gegen die Goten kämpfte, im Jahr 270 an einer Seuche starb, übernahm dessen Bruder Quintillus die Macht. Doch er konnte sich nicht lange seiner Herrschaft erfreuen, denn schon nach wenigen Tagen riefen die Donauarmeen ihren Feldherrn Aurelian zum Kaiser aus. Über das Ende des Quintillus gibt es unterschiedliche Berichte: Nach einer Version wandten sich seine eigenen Soldaten gegen ihn und brachten ihn um, nach einer anderen sah er keinen Ausweg mehr und ließ sich von seinem Leibarzt die Pulsadern aufschneiden.

Der aus Pannonien stammende Aurelian, der schon zwei Jahre zuvor an der Verschwörung gegen Kaiser Gallienus beteiligt gewesen war, seine Ambitionen aber zugunsten von Claudius zurückgestellt hatte, trat nun seine zwar kurze, aber äußerst gelungene Herrschaft an. Er umgab nicht nur die Hauptstadt Rom mit einer heute noch in Teilen erhaltenen Stadtmauer, die sie vor einem möglichen Germanenangriff schützen sollte, sondern widmete sich im Folgenden auch mit Erfolg den zahlreichen Krisenherden des Imperiums. Zunächst überquerte er die Donau und schlug die Goten vernichtend. Anschließend wandte er sich gegen die palmyrenische Königin Zenobia, die im Osten des Reiches das gesamte Gebiet zwischen Ägypten und Kleinasien kontrollierte. Aurelian fügte der orientalischen Herrscherin zwei schwere Niederlagen zu und ließ Zenobia gefangen nehmen. Über ihr Ende herrscht in den Quellen keine Einigkeit: Nach einer Überlieferung starb sie auf der Reise nach Rom, nach einer anderen wurde sie in Aurelians Triumphzug mitgeführt und dem Volk präsentiert, ehe sie in Tivoli unter Hausarrest gestellt wurde, wo sie dann verstarb.

Anschließend wandte sich der Kaiser nach Gallien, wo bereits im Jahr 260 Postumus ein Sonderreich errichtet hatte, das mittlerweile von Tetricus regiert wurde. Aurelian konnte dessen Truppen in einer entscheidenden Schlacht bei Chalons-sur-Marne bezwingen. Tetricus wurde nach Italien gebracht, wo auch er beim Triumphzug des Kaisers vorgeführt wurde. Sein Leben wurden jedoch nicht nur verschont, sondern er bekleidete anschließend sogar einen hohen Verwaltungsposten. Aurelian nahm, nachdem er nun die die Einheit des Reiches wiederhergestellt hatte, sogar den Titel Restitutor Orbis,“Wiederherrsteller der Welt(-Ordnung)“, an. Im selben Jahr ließ er in Rom auch den Tempel der von ihm besonders geförderten Gottheit Sol Invictus, des „unbesiegten Sonnengottes“ einweihen . Der Feiertag dieses besonders in den Ostprovinzen und beim römischen Heer populären Gottes lag am 25. Dezember (und deshalb wurde auch das christliche Weihnachtsfest auf diesen Tag gelegt). Im Jahr darauf zog Aurelian nach Osten, wo er einen Krieg gegen die Perser plante. Doch bevor er den Bosporus überschreiten konnte, wurde er mitten in den Vorbereitungen zu diesem Feldzug ermordet.

Wie die Quellen berichten, geht sein Tod auf das Konto eines Freigelassenen, den die Historia Augusta Mnestheus nennt, während der Geschichtsschreiber Zosimus ihn als Eros bezeichnet. Dieser Mann, der als Privatsekretär des Kaisers tätig war, fiel aus einem uns nicht bekannten Grund in Ungnade. Jedenfalls befürchtete er, der als streng bekannte Herrscher könnte ihn zur Rechenschaft ziehen. Daher verfertigte er in der Handschrift Aurelians, die er als dessen Vertrauter gut fälschen konnte, eine Liste von Personen an, die der Kaiser angeblich hinrichten lassen wollte. Neben seinem eigenen Namen schrieb er darauf sowohl die Namen von Freunden als auch von Feinden des Imperators. Anschließend zeigte er die Listen den verzeichneten Personen, die ihm glaubten, dass Aurelian selbst diese Liste verfasst habe. Der Plan des intriganten Sekretärs ging tatsächlich auf: Während die einen, die tatsächlich gegen den Kaiser agitierten, in Panik gerieten, waren die Vertrauten des Herrschers über dessen angebliche Pläne erzürnt. Sie alle fürchteten jedoch um ihr Leben und wollten der eigenen Hinrichtung zuvorkommen. Sie schmiedeten daher ein Komplott gegen Aurelian. Als dieser kurz darauf, nur von wenigen Leibwächtern begleitet, einen Spaziergang machte, überfielen sie ihn und ermordeten ihn. Der von der Armee und vom Volk gleichermaßen verehrte und geliebte  Herrscher wurde unweit der Stelle des Attentats begraben und später vom Senat zum Gott erklärt. Für Mnestheus/Eros nahm die Geschichte jedoch kein gutes Ende: Als schließlich die Fakten bekannt wurden und seine Intrige zu Tage trat, wurde er als Strafe den wilden Tieren vorgeworfen.

Quellen:

Historia Augusta, Aurelian 36-37

Zosimus, Neue Geschichte 1, 62

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