Der römische Kaiser Valentinian III. ermordete eigenhändig seinen erfolgreichsten General und wurde als Vergeltung dafür ein halbes Jahr später selbst erschlagen.
Im Jahr 451 n. Chr. stand das Weströmische Reich vor einer großen Bedrohung. Unter ihrem König Attila drang das kriegerische Reitervolk der Hunnen in die Provinz Gallien ein. Ihnen entgegen stellte sich Flavius Aetius, der seit 429 das Amt des Heermeisters innehatte und damit die mächtigste Persönlichkeit des Reiches war. Als junger Mann hatte Aetius einst als Geisel bei den Hunnen gelebt. Nun schmiedete er eine Koalition mit den Westgoten und anderen germanischen Völkern und konnte in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern den Vormarsch der Reiterkrieger stoppen. Zwar gelang Aetius kein klarer Sieg, doch die Hunnen zogen sich zurück, und zwei Jahre später zerfiel ihr Reich mit dem Tode Attilas.
Die immer größer werdende Macht des Aetius war dem schwachen Kaiser Valentinian III. freilich ein Dorn im Auge. Die Quellen berichten, dass der Kaiser von verschiedenen Männern in seinem unmittelbaren Umfeld gegen den einflussreichen General aufgebracht wurde, etwa vom ehemaligen Stadtpräfekten, Prätorianerpräfekten und Konsul Petronius Maximus oder (wahrscheinlicher) vom Oberkämmerer Heraclius. Sichere Informationen dazu besitzen wir freilich nicht. Vielleicht fühlte sich der Kaiser auch von der bevorstehenden Hochzeit seiner Tochter Placidia mit Gaudentius, dem Sohn des Aetius, zunehmend unter Druck gesetzt.
Jedenfalls kam es während einer Audienz des Heermeisters beim Kaiser zum Attentat. Angeblich war Aetius an diesem schicksalhaften 21. September des Jahres 454 gerade dabei, dem Regenten die Finanzlage zu erläutern und Steuereinnahmen vorzurechnen, als Valentinian plötzlich aufsprang, den General anbrüllte und des Verrats beschuldigte. Der Heermeister war über diesen Wutanbruch noch völlig verdutzt und konnte kaum ein Wort zu seiner Verteidigung sagen, als der Kaiser bereits sein Schwert aus der Scheide riss und Aetius mit Hilfe seines Kämmerers Heraclius erschlug. Anschließend tötete er auch den Präfekten Boethius, einen engen Vertrauten des Aetius. Ob der Kaiser wirklich eigenhändig diese Morde begangen hat, wie der Historiker Priskos berichtet, wissen wir nicht. Der Geschichtsschreiber überliefert jedenfalls, dass sich der Monarch danach seiner Tat rühmte, worauf einer seiner Berater meinte, er habe gerade mit seiner linken Hand seine rechte Hand abgehackt.
Tatsächlich hatte der Kaiser mit diesem Mord einen Teil seiner eigenen Machtbasis zerstört, und er sollte ein halbes Jahr später selbst durch zwei Männer aus dem Umfeld des Aetius den Tod finden, nämlich die skythischen Krieger Optila und Thraustila. Die Überlieferung vermutet wiederum, dass Petronius Maximus bei diesem Anschlag seine Finger im Spiel hatte, sei es weil er selbst nach der Macht strebte, sei es weil er sich für die Vergewaltigung seiner Frau rächen wollte, wie Prokopios berichtet: Maximus war nämlich mit der für ihre Schönheit ebenso wie für ihre Sittsamkeit berühmten Lucina verheiratet, nach welcher der Kaiser in leidenschaftlichem Verlangen entbrannte. Eines Tages lud Valentinian Maximus zu einem Brettspiel ein, in welchem er eine hohe Geldsumme gewann. Als Pfand für die vereinbarte Summe ließ er sich von Maximus dessen Siegelring geben. Diesen schickte er ihm jedoch sofort mittels Boten in dessen Haus und ließ Lucina ausrichten, ihr Gatte bitte sie, umgehend in den Palast zu kommen. Diese folgte der Aufforderung, da sie glaubte, die Nachricht komme von ihrem Ehemann. Doch kaum war sie im kaiserlichen Palast angekommen, wurde sie in ein Zimmer gebracht, in welchem der Herrscher mit Gewalt über sie herfiel. Tränenüberströmt kehrte sie schließlich nach Hause zurück, wo sie Maximus bittere Vorwürfe machte.
Ob diese legendenhafte Geschichte stimmt, wissen wir nicht. Auf jeden Fall unternahm Valentinian III. am 16. März 455 einen Reitausflug auf das Marsfeld. Als er dort abstieg, um sich im Bogenschießen zu üben, versetzte ihm Optila einen Schlag auf den Kopf. Als der Kaiser sich daraufhin umdrehte, um zu sehen, wer ihn angriff, fügte ihm Optila die tödliche Wunde zu. Einer Quelle zufolge soll sich ein Bienenschwarm auf den erschlagenen Kaiser niedergelassen und dessen Blut ausgesaugt haben. Gleichzeitig ermordete Thraustila den Kämmerer Heraclius, der offenbar ebenfalls an diesem Ausflug teilnahm.
Schon am nächsten Tag wurde Petronius Maximus zum neuen Kaiser ausgerufen. Um seine Stellung zu festigen, zwang er auch Eudoxia, die Witwe Valentinians, ihn zu heiraten. Lange konnte er sich aber nicht an seinem Amt erfreuen: Bereits nach wenigen Wochen wurde er einer Quelle zufolge vom römischen Mob gesteinigt, als er vor den heranrückenden Vandalen, die angeblich von Eudoxia zu Hilfe gerufen worden sein sollen, aus Rom flüchten wollte. Einer anderen Überlieferung zufolge wurde er von einem Gladiator namens Ursus erschlagen. Seinen verstümmelten Leichnam warf man in den Tiber.

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